2008
Tessin: Giro del Campo Tencia-Teil 2
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Tag: Sponda-Rif. Campo Tencia |
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Über den Abstieg von der
Brocchetta hatte ich im Internet einiges gelesen. Da soll es
einen schwierigen Pfad in einem Felsband geben, auf dem man
ohne Höhenverlust das Rif. Barone erreicht, alternativ solle
man 100 bis 200 m absteigen zur Alm und von da aufsteigen.
All das kann ich, nachdem wir dort waren, nicht ganz
nachvollziehen. Vermutlich ist eine neue Route zwischen den
beiden erwähnten gelegt worden. Man steigt ein wenig steil
ab, Haltegriffe geben dabei Vertrauen (Bild u. rechts), und
dann im Grashang auf gleicher Höhe, zuletzt muss man ca 50 m
aufsteigen zum Rifugio. Der Rückblick vom Rifugio zum Pass zeigt einen dunkelbraunen Flecken in der Wiese: Dies war ein sehr frischer Erdrutsch, gut 300 m breit, er hatte den Pfad teilweise überquert. Gut, dass jetzt alles ruhig war!! Bei einer so breiten Lawine hätte man keine Chance, zur Seite zu springen. |
Gegen 15.00 Uhr wohl Aufbruch, Aufstieg zum Lago Barone. Immer noch suchte ich, wo im Geröll am gegenüberliegenden Ufer der Pfad zum Passo Barone sei, schon aus Neugier musste ich diesen Weg mal gehen. Zuerst aber lassen wir die Rucksäcke ab und gehen ohne Gepäck die fast 500 Höhenmeter zum Pizzo Barone. Das dauert natürlich etwas länger, wir sind nicht mehr gerade frisch. Ich bekomme ziemlichen Stress, ob wir noch genügend Zeit und Kraft haben werden, danach bis Sponda zu gehen. Naja, jedenfalls waren wir oben, haben keine Steinböcke gesehen, leider, dann wieder runter zu den Rucksäcken. Der Pfad auf der anderen Seite ist recht gut gangbar, es rutscht auch wenig Geröll unterm Fuß weg, so dass es mir scheint, dass wir schnell oben sind. Von da auch schöner Blick auf den Lago Barone, das beginnende Abendlicht macht die Farben schön, alles sieht friedlich aus und gerade diese schöne Abendstimmung macht mich nervös. Die ersten 50 Höhenmeter Abstieg sind ein wenig heikel, dann sind wir an einem weiten Geröll- und Steinblockhang, mit eingestreuten Schneefeldern. Leider mögen meine Begleiter nicht in diesen bequem abwärts gehen. Der Abstieg wird lange. Hier an der Ostseite des Kammes spürt man nun schon die beginnende Dunkelheit, und es geht viel tiefer in die Bachkerbe hinab als ich geahnt hatte. J., unser Jüngster, verliert etwas den Mut, Chr. bleibt mit ihm zurück, während ich mit den beiden Anderen so schnell es geht Richtung Sponda weiterziehe. Was auf der Karte wie ein ebener Weg aussieht, ist natürlich auch von Bachkerben durchbrochen, jede Komplikation lässt mich nervöser werden: Werden die beiden Nachzügler hier überhaupt bei Tagesrestlicht vorbeikommen? Ich mache mir Vorwürfe wegen meiner Planung, auf den Pizzo hätte ich vezichten sollen, dann wäre es ein angemessener Tag mit ca 1200 m Auf- und 740 m Abstieg gewesen. Nun sind aber noch die 500 m des Gipfels hinzugekommen! ca 21. Uhr: Sponda ist nicht so hübsch. Im Haus geht man eine Treppe hoch. An ihrem Ende im Gang das Waschbecken, keine Dusche. Zwei Aufenthaltsräume. In einem haben andere schon Feuer gemacht, hier ist es warm, hier gesellen wir uns hinzu, beginnen Suppe und Spaghetti zu kochen. Es dauert gar nicht so lang bis Chr. mit J. eintrifft, gut. Am Nebentisch zwei Tessiner, ca 30 Jahre alt. Sie haben ein richtiges Festessen, und das alles hochgeschleppt: Ein 5-Literfass Bier, eine Flasche Prosecco, Wein, eine Flasche Olivenöl, Kuchen, Braten, Obst, mehrere Gänge ... Unglaublich, was sie geschleppt haben, und sie sind stolz auf die Unmengen Alkohol, den sie verkraften. Morgen wollen sie mit dem stattlichen Gepäck über den etwas heiklen Passo Barone, um im dortigen Rifugio weiterzuprassen... |
Rechts der Blick nach Süden auf den Passo di
Piatt. Bei der Via Alta des Verzascatals kommt man
von Cognora aus von Süden zu diesem Pass, und geht
dann hinter der rechten Bergkette nach Barone. (Der Weg
über den Grat scheint nicht mehr gepflegt zu werden, weil
der Stein dort recht brüchig ist). Die linke, sich nach
Süden schwingende Kette ist die, über die die VAV
verläuft. Der erste hohe Berg ist wohl der Madom Gröss
(Diesen Teil bin ich nicht gegangen). Die Spitze am
rechten Ende der Kette könnte der Alnasca
oder der Vognorno
sein. Die etwas blasse flache Pyramide in der Mitte des
Horizonts müsste der Poncione
Rosso sein. Allen, die erwägen, von Cognora aus über den Passo di Piatto und Sponda nach Barone zu gehen ist hier ersichtlich, dass man zwischen dem Pass und Sponda ganz ordentlich absteigen muss. Unten Panoramablick vom Passo di Ghiacciaione nach Norden zur Levantina. Die weißen Flecken in Bildmitte sind Kreide. Der spitze Gipfel links wohl die Tre Corni (2953), jedenfalls nordwestlicher Ausläufer des links verdeckten Campo Tencia. Rechts unterhalb dieses Gipfels der Lago Mognoi (2264), unter diesem zeigt ein kleiner schwarzer Pfeil auf das Rifugio. Links vor der Hütte das dunkle Grün ist ein Steilabfall. Der Weg zum Rifugio verläuft oberhalb dieses Steilabfalls. Man kann die Wegführung vom Pass aus sich kaum vorstellen |
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Wir hatten Glück, die Firnfelder waren schon
etwas weicher. Mit den Schuhen konnte ich Tritte schlagen.
Auf jeden Tritt stampfte ich 3 bis 4 mal. Dennoch war es
riskant: Die Jungen hatten keine Stöcke, und unbelehrt
traten sie hinter mir meine Tritte instinkt- und
gedankenlos wieder schräg. So kam es, dass der Jüngste
plötzlich abging. Chr. schaffte es aber, ihn am Rucksack
zu halten. Das wäre es gewesen! Das Foto rechts zeigt den Weg, ich vermute, der Pass ist der lange Sattel am Horizont, es könnte aber auch die Kerbe links der Spitze im Gratverlauf sein. Jedenfalls sieht man, dass es ein langer Abstieg in Geröll ist, und dann quert man unterhalb der Felswand im Geröll die Firnzungen. Der Weg kurvt dann tief in die Kerbe, dann geht es an der grünen Kante des Felsabsturzes, der im Vordergrund endet, entlang. Anscheined kommt man vom Pass nirgends sonst hinunter ins Tal, die "Bucht" unterhalb der Firnzungen zumindest stürzt überall steil ab. Auf der grünen Kante ist ein Wasserfall zu queren, an dem ein Drahtseil angebracht ist. Irgendwo war dies als schwierigstes Stück des Weges benannt. Wir trafen aber so wenig Wasser an, dass das Seil nicht wirklich notwendig war. Zweiter Zwischenfall. Einer der Jungen wurde unter dem T-Shirt von einem Insekt gestochen und warf in Panik seinen Rucksack ab, der prompt 20 m den Hang runterrollte, zum Glück aber deutlich vor dem Felsabsturz liegen blieb. Gegen 15.00 Uhr in der Hütte. Es war zu kalt, um draußen zu sitzen. Chr. verschwand kurz, und spurtete hoch zum Lago Mognoi. Dazu wäre ich zu müde gewesen. Angenehme Hütte. Wir wurden gefragt, ob wir die beiden Wanderinnen gesehen hätten, und ob sie gut durchgekommen seien. Am nächsten morgen, als wir frühstückten, beobachteten die Hüttenwirte ebenso ein Ehepaar, welches trotz bedecktem Himmel den Campo Tencia machte. Sie seien schon sehr weit oben... |
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